Geschichte

Finde deinen eigenen Weg!

"Ich kann dir erzählen, was das Perlenband für mich bedeutet. Aber dann finde deinen eigenen Weg damit!"

Diese Worte von Altbischof Martin Lönnebo, dem "Vater" der Perlen des Glaubens, habe ich noch immer im Sinn.

Unter dem Namen "Frälsarkransen" - Rettungsring oder Erlöserkranz sind sie die Perlen in Schweden seit 1996 bekannt. Eigentlich wollte Martin Lönnebo zu Beginn seines Ruhestands - nach dem Vorbild von Martin Luther - einen neuen „Kleinen Katechismus“ für Menschen von heute schreiben. Besonders Kindern und Jugendlichen wollte er die Schätze ihrer Kirche näher bringen, zum Beispiel das Glaubensbekenntnis oder die heiligen Zeichen Taufe und Abendmahl. Aber dann kam es anders als gedacht.

Inspiriert durch griechische Fischer, die er während eines Aufenthaltes am Mittelmeer 1995 beim Spielen mit ihren Freundschaftsbändern beobachtete, kam er auf die Idee, statt eines Buches dieses Perlenband zu entwickeln, das – ähnlich wie andere Gebetsbänder – immer zur Hand ist, wenn man es braucht, um sich an etwas festzuhalten. 

Was geworden ist

Im Jahr 2002 bin ich Martin Lönnebo zum ersten Mal begegnet. Ich hatte das Perlenband    im Jahr vorher in Finnland unter dem Namen "Rukoushelmet" - Gebetsperlen bei einer Freundin in Helsinki  entdeckt und war sofort davon begeistert. Zu dem Zeitpunkt waren die Perlen von Schweden aus schon im skandinavischen Raum verbreitet. Nun waren wir mit einer kleinen Delegation des Hamburger AfÖ (Amt für Öffentlichkeitsdienst der Nordkirche) in Stockholm beim schwedischen Verbum-Verlag, um zu erkunden, wie wir dieses besondere Projekt nach Deutschland bringen könnten. Schließlich wurde das Perlenband unter dem Namen "Perlen des Glaubens" auf dem ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin bekannt gemacht.  Von Anfang an erschien zweierlei wichtig: Es braucht gute Begleit-Materialien und das Perlenband soll ökumenische Strahlkraft gewinnen. Bald entstand ein Arbeitskreis, zu dem u.a. auch der katholische Katechet Jens Ehebrecht-Zumsande aus dem Erzbistum Hamburg gehörte. Außerdem wurde 2006 vom Leiter des AfÖ, Michael Stahl,  eine Projektstelle für die Perlen des Glaubens  eingerichtet, die bis 2018 von Pastorin Sandra Peters-Hilberling geleitet wurde.

Nach dem offiziellen Start in Berlin folgten viele weitere Kirchentage in Köln, Hannover, Bremen, später sogar in Hamburg, wo es für diese Zeit sogar eine eigene "Perlenkirche" gab. Viele Jahre, von 2003-2014, waren die "Perlen des Glaubens" zuhause im Ansverus-Haus in Aumühle, einem Ort für geistliches Leben im Osten Hamburgs. Hier entstanden viele Kursformate für unterschiedliche Zielgruppen, es gab ein "Perlenhaus" und seit 2010 entwickelte sich eine Ausbildung für Multiplikator*innen, die von einem ökumenischen Referent*innenkreis getragen wird und deren Absolventen überall in Deutschland Kurse zu den Perlen des Glaubens anbieten. Das Natzwerk der Perlen des Glaubens entwickelt das Projekt stetig weiter. Inzwischen gibt es auch Angebote im Raum der Freikirchen und auf dem Feld Interreligiöser und interkulturelle Arbeit.

Alles hängt mit allem zusammen

Die ersten Ideen für die Kursarbeit mit dem "Frälsarkransen"  (schwed. Rettungsring oder Erlöserkranz) entstanden in Vadstena, in der "blauen Kirche" und dem nahe gelegenen Pilgerzentrum der schwedischen Kirche, wo Martin Lönnebo und Birgit Gräfberg ihre Erfahrungen mit Gottesdienstbesuchenden und Pilger*innen teilten. 

Die Persönlichkeit Martin Lönnebos, seine Kreativität und sein Humor haben mich und viele andere Menschen ebenso berührt wie seine tiefe Spiritualität. Wir sind uns 2007 noch einmal länger begegnet, als ich gerade an meinem Exerzitienbuch "ewig nahe" arbeitete. Als er mir den "Stammbaum" seiner Familie zeigte, verstand ich auf einmal den Ursprung des Perlenbandes. Alles hängt mit allem zusammen, Menschen seiner Familie und seine Lieblingsheiligen wie Franziskus oder Maria Magdalena; das schwedische Dorf, in dem er als Kind gelebt hat und das Himmlische Jerusalem, dessen Tore aus kostbaren Steinen symbolisch den Rahmen bilden. Alles Perlen, die davon erzählen, wie untrennbar nahe die "reale" und die unsichtbare Welt miteinander verbunden sind.